Szene aus "Faust"
© Karl Forster
„Faust“
Oper in fünf Akten
Charles Gounod (1818-1893)
Premiere am 30. Januar 2016

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Libretto: Jules Barbier und Michel Carré nach "Faust I" von Johann Wolfgang von Goethe
Uraufführung: 19. März 1859 im Théâtre Lyrique in Paris

Personen
Faust (Tenor); Méphistophélès (Bass); Marguerite (Margarethe) (Sopran); Valentin, Marguerites Bruder (Bariton); Siébel (Mezzosopran oder Tenor); Wagner (Bass); Marthe (Alt)

Handlung
1. Akt
In seinem Studierzimmer denkt der alte Faust über den Sinn des Lebens nach. Der Grübelei überdrüssig plant er, Selbstmord zu begehen. Als er das Gift trinken will, hört er vor seinem Fenster den Gesang junger Frauen. Er zweifelt an seinem Leben und Glauben und ruft nach dem Satan. Da erscheint Méphistophélès und verspricht ihm Ruhm und Reichtümer, wenn er ihm seine Seele verschreibt. Doch Faust will weder Geld noch Anerkennung, er strebt nach Jugend und Liebe. Daraufhin verspricht ihm Mephisto die junge Marguerite (Margarethe). Faust bekommt einen Verjüngungstrank und geht mit Mephisto hinaus in die Stadt.

2. Akt
Während in der Stadt Kirmes gefeiert wird, hängt Valentin seinen Gedanken nach, da er zum Militär einberufen wurde. Seine Schwester Marguerite, die ihm ein Amulett geschenkt hat, vertraut er der Fürsorge seines Freundes Siébel an. Um die traurige Stimmung aufzuheitern, singt Wagner ein fröhliches Lied. Da treten Méphistophélès und Faust auf. Mephisto singt das "Rondo vom goldenen Kalb", in das alle Anwesenden einstimmen. Dann sagt der Satan sowohl Wagner als auch Valentin ihren nahen Tod voraus und Siébel prophezeit er, dass alle Blumen, die dieser anfasst, verwelken werden. Als Mephisto sich höhnisch über Marguerite äußert, wird er von Valentin angegriffen. Doch dieser kann ihm nichts anhaben. Nur der kreuzförmige Griff des Schwertes hält Mephisto zurück. Als sich die Gesellschaft auflöst, fordert Faust von Mephisto, den Kontakt zu der versprochenen jungen Frau herzustellen. Diese tritt hinzu, lehnt es aber ab, von Faust begleitet zu werden.

3. Akt
Der Strauß Blumen, den Siébel für Marguerite im Garten pflückt, verwelkt sofort. Nachdem er seine Hand in Weihwasser taucht, ist der Fluch gebrochen. Mephisto legt ein Schmuckkästchen vor die Tür zu Marguerites Haus. Nachdem sie es gefunden und geöffnet hat, legt sie sich den Schmuck an. Während sich Mephisto mit Marthe über den Tod ihres Mannes unterhält und ihr Komplimente macht, nimmt Faust zaghaft Kontakt mit Marguerite auf. Er ist von ihrer Reinheit und Unschuld verzaubert und will sich eigentlich zurückziehen. Doch Mephisto sorgt dafür, dass Faust die Schwärmereien Marguerites hört. Daraufhin fallen sich beide in die Arme. Mephisto lacht teuflisch.

4. Akt
Die verzweifelte Marguerite wird von Faust verlassen und hat ihr Kind getötet. Siébels Tröstungen helfen ihr nicht weiter. Sie sucht die Vergebung in der Kirche. Doch Mephisto stört ihre Beichte und zerstört so ihre Hoffnung auf Vergebung. Sie fällt in Ohnmacht. Faust bereut seine Untreue und will mit Marguerite sprechen. Valentin greift Faust an. Doch dieser wird im Kampf von Mephisto unterstützt und ersticht Valentin. Mephisto führt Faust ab, bevor die Menge dazukommt. Valentin stirbt in den Armen seiner Schwester.

5. Akt
Auf dem Blockberg wird die Walpurgisnacht gefeiert. Faust erscheint Marguerite mit einem Henkersmal am Hals. Er will von Mephisto zu ihr gebracht werden. Mephisto geleitet Faust in den Kerker, in dem Marguerite auf den Schuldspruch des Gerichtes wartet. Faust betrachtet die Schlafende und ist tief bewegt. Als sie erwacht, erinnern sich beide an ihre erste Begegnung und umarmen sich voller Leidenschaft. Mephisto will beide zur Flucht bewegen, aber Marguerite weicht vor dem Satan zurück. Auch Fausts gewalttätigem Versuch, die Geliebte mitzunehmen, verweigert sie sich. Sie bricht zusammen. Mephisto brüllt: "Gerichtet!", ein himmlischer Chor aber antwortet: "Gerettet!"
(Sigrid Riemer für die Theatergemeinde Essen)

Hierzulande wurde Charles Gounods große, fünfaktige Oper von 1859 über die berühmteste deutsche Figur der kulturellen Mythologie meist unter dem Titel „Margarethe“ gespielt. Der Titel „Faust“ blieb ausschließlich Goethes bedeutendster Tragödie vorbehalten. Die resignierte Verzweiflung des alternden Wissenschaftlers Heinrich Faust führt in beiden Werken zum Pakt mit dem Teufel, der ihm das unschuldige Gretchen zuführt. Die naive Margarethe wird nun in den Tod der Mutter, des Bruders und ihres unehelichen Kindes verstrickt und so von Faust und Mephisto zu Grunde gerichtet. Die Erlösung findet nicht durch Flucht aus dem Kerker, sondern in höherer Instanz statt. Das Thema Liebe wird musikalisch von Hoffnung und Zweifel über Rausch und Hingabe bis hin zu Enttäuschung und Wahnsinn ausgestaltet und weiß damit, den Worten des meistzitierten philosophischen Menschheitsdramas sinnlich etwas entgegenzusetzen. Die Oper entwickelte sich weltweit zum wahren Publikumsliebling des 19. Jahrhunderts: Die New Yorker Metropolitan Opera wurde 1883 mit ihr eingeweiht, und mit rund 3000 Vorstellungen ist „Faust“ bis heute das meist gespielte Werk der Pariser Oper.
Philipp Stölzl hat es 2008 erfolgreich in Basel als sozialkritisch drastisches Gegenwartsdrama von hohem Symbolwert inszeniert. 2015 wird er seine Sicht an der Deutschen Oper Berlin, wo er bereits „Rienzi“ und „Parsifal“ herausgebracht hat, erneut gestalten, bevor die Produktion nach Essen kommt. Der Regisseur, der als Bühnen- und Kostümbildner anfing, dann Musikvideos u. a. für Madonna drehte, Werbefilme für BMW, Rolex und Nokia machte, Spielfilme wie „Nordwand“ und „Der Medicus“ in Szene setzte, zeichnet sich in seiner Vielfalt durch beeindruckende Bilder und sychologisches Feingespür aus und wird so der großen Oper eine cineastische Bühne bereiten.
(Theater und Philharmonie Essen 2015/16)

Musikalische Leitung: Sébastien Rouland
Inszenierung, Bühne: Philipp Stölzl
Co-Regie: Mara Kurotschka
Mitarbeit Bühne: Heike Vollmer
Kostüme: Ursula Kudrna
Licht-Design: Ulrich Niepel
Choreinstudierung: Alexander Eberle
Dramaturgie: Sebastian Hanusa, Anne Oppermann

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